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 Reiseführer Edirne

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Das nördlich von Tekirdag in der Nähe der griechisch-türkischen Grenze gelegene Edirne war für einige Jahre Hauptstadt des Osmanischen Reiches und im Anfang des 18. Jahrhunderts eine der sieben größten Städte Europas.
Auf einer grünen, mit Pappeln bewachsenen Ebene in der Nähe des Zusammenflusses von Maritza und Tunca gelegen, wird diese schöne historische Stadt von Reisenden auf ihrem Wege nach Istanbul und anderen Zielen im Osten durchfahren. Die Einwohner von Edirne und Umgebung führen ihre Abstammung auf Epochen vor der mazedonischen Herrschaft zurück. Unter dem römischen Kaiser Hadrian wurde die Stadt wieder aufgebaut und nach ihm Hadrianopolis (Adrianopel) genannt. Nach der Teilung des Römischen Reiches wurde die Stadt von Byzanz beansprucht und 1361 von Sultan Murat I. dem Osmanischen Reiche einverleibt.
Seiner Stellung als Hauptstadt des Osmanischen Reiches für fast hundert Jahre verdankt Edirne eine Reihe historisch und architektonisch bedeutender Bauwerke. Die Stadt ist mit ihren Moscheenkomplexen, Brücken, alten Basaren, Karawansereien und Palästen gleichsam ein lebendes Museum.
Den Mittelpunkt der Stadt bildet die Selimiye-Moschee (1569-1575). Auf einem Hügel gelegen, widerspiegelt dieses Werk Sinans den klassischen osmanischen Baustil. Die Moschee wurde auf Geheiß von Sultan Selim II. erbaut und legt Zeugnis ab von den damaligen technologischen Möglichkeiten und dem Genius dieses osmanischen Baumeisters.
Zwischen 1403 und 1414 unter Sultan Mehmed l. erbaut, ist die Eski (Alte) Moschee das älteste osmanische Bauwerk in Edirne. Der weiße Marmorportal bildet einen reizvollen Kontrast zu dem Mauerwerk aus Stein und Ziegel. Das Moscheeninnere ist von kalligraphisch ausgeführten Koransuren geschmückt.
Die Üc Serefeli Moschee, zwischen 1438 und 1447 unter Murat l. erbaut, ist Vorbotin der großartigen Epoche osmanischer Moscheenbauten unter Sinan und verkörpert eine neue Freiheit ohne architektonische Einschränkungen und zugleich die Errungenschaften der Baukunst. Das nordwestliche Minarett hat drei Galerien, nach denen die Moschee auch genannt ist. Es war zugleich das höchste Minarett, bis es von denen der Selimiye Moschee in den Schatten gestellt wurde.
Gegen Ende des 15. Jarhunderts beauftragte Sultan Beyazid II. den Baumeister Hayreddin mit dem Bau eines Gebäudekomplexes mit Moschee, Armenküche und Hospital. Die Moschee hat einen quadratischen Grundriß und trägt eine hohe Kuppel, der Rest der Anlage wird von über hundert weiteren Kuppeln überdacht. Unter den anderen Bauwerken der Anlage ist das Hospital das bedeutendste und war seiner Zeit aufgrund der einzigartigen und humanen Ausführung weit voraus. Wenig hat sich im Viertel Kaleici seit dem Mittelalter geändert. Enge, kurvenreiche Gassen mit alten Häusern schlängeln sich durch das Viertel. Kleine Restaurants und Cafes zeugen jedoch von einer beginnenden Veränderung des Stadtbildes in diesem Bezirk.
Baumeister Sinan erbaute auch mehrere großartige Badehäuser in Edirne, Sokollu, Tahtakale, Mezitbey, Beylerbeyi und Gazi Mihal, ferner die Karawansereien Ahmet Pascha und Rüstem Pascha aus dem Jahre 1561. Letztere wurde renoviert und in ein Hotel umgewandelt. Der alte Bedesten aus dem frühen 15. Jahrhundert fungiert heute noch als der Hauptmarktplatz der Stadt. Bei Spazierfahrten in der Umgebung der Stadt sollte man den vielen osmanischen Brücken über den Flüssen Tunca und Maritza (Merino) Beachtung schenken.
In Edirne blieben viele traditionelle Bräuche bis in unsere Tage hinein erhalten. Jedes Jahr werden auf dem smaragdgrünen Wiesen des Ortes Sarayici die Kirkpinar-Ringkämpfe veranstaltet. Hierbei wird der Oberkörper der Ringer mit Olivenöl eingerieben, so daß er schwer in den Griff zu bekommen ist.
Wandert man durch die Stadt und wirft einen Blick auf die Auslagen der Lebensmittelhändler, so erkennt man gleich blockweise den Weißen Käse, eine örtliche Spezialität. Zu den weiteren Köstlichkeiten zählt Hardaliye, ein Traubensaft gemischt mit Senf, und Mandelmarzipan. Beliebte Geschenkartikel sind Duftseifen, Töpferwaren aus gebranntem Ton und Strohkörbe. Dem Erwerb von herrlichen Stickereien, wie sie von einheimischen Frauen gefertigt werden, wird man kaum widerstehen können.
Das archäologische und das ethnographische Museum beherbergen Exponate, die die Geschichte der Region von frühgeschichtlichen Zeiten bis zur byzantinischen Epoche dokumentieren und Gewänder aus spätosmanischer Zeit. Im Museum für türkisch-islamische Kunst sind architektonische Exponate, Inschriften, Manuskripte, Korane, Waffen, Glaswaren und ein Feldzelt zu besichtigen.
Auf dem Weg zum Golf von Saros in der Ägäis kann man bei Uzunköprü eine Pause einlegen und die unter Murat II. im Jahre 1444 erbaute Brücke über den Ergene-Fluß besichtigen. Die Brücke wird über eine Gesamtlänge von 1354 Metern von 174 Bogen getragen, deren höchster 12.28 m mißt.
Das milde Klima und die liebliche Landschaft am Golf von Saros laden zu einem Aufenthalt ein. Ob in Edirne oder am Golf von Saros, die Beherbergungsbetriebe sind zahlreich und bieten Quartier zu durchaus zivilen Preisen.
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